Mit True Cost Accounting können die Gesamtkosten für Lebensmittel zuverlässig berechnet werden. Das erstaunliche Ergebnis: Bio-Produkte sind häufig günstiger als konventionelle. 

Antworten auf die Frage, „was kostet unser Essen wirklich?“ zielen in erster Linie darauf ab, Verbraucher und die Politik über die unterschiedlichen versteckten Kosten von Bio-Produkten und ihren konventionell hergestellten Pendants zu informieren. Der Vergleich der Gesamtkosten ist aber nicht nur gesellschaftlich relevant, er hilft auch einzelnen Betrieben, zukünftige Risiken und Chancen bestimmter landwirtschaftlicher Praktiken zu bewerten.

Um die Berechnung wirklich leisten zu können, müssen viele externe Faktoren bewertet, sprich “bepreist” werden. Hier gibt es unterschiedliche Ansätze, die in der Praxis sowie in der Wissenschaft konstant weiterentwickelt werden. Um das Konzept wirklich flächendeckend anwenden zu können, bedarf es allerdings einer Vereinheitlichung der Berechnungsfaktoren, diese zu harmonisieren sei momentan der “größte Knackpunkt”, sagt Gyde Wollesen von Soil & More Impacts (SMI).

Denn: Es sei natürlich nicht zielführend, dass sich jeder seine eigene Rechnung ausdenkt und rein rechne, was er möchte und weglässt, was er nicht möchte. Das unter anderem auf True Cost Accounting spezialisierte Unternehmen arbeite hier mit einem Think Tank aus Berlin sowie mit EY zusammen. Ziel ist die Entwicklung eines Standards.

Einheitlicher Standard hat gute Chancen

Die Chancen hierfür stehen nach Einschätzung von Wollesen nicht schlecht. Dies nicht zuletzt, weil das Thema Corporate Accountability auch bei Unternehmen wie BASF und Bosch angekommen sei, die sich in der Value Balancing Alliance dem Thema annehmen.

Neben der Abstimmung, wie einzelne Faktoren zu bepreisen sind, werde auch immer wieder die Frage diskutiert, ob es besser sei Vermeidungskosten anzusetzen oder Schadenskosten. Beide Ansätze seien möglich, sagt Wollesen. Aber: „Beim Ansetzen der Schadenskosten muss ich immer überlegen, wie weit in die Zukunft kann ich sinnvollerweise gehen? Wo höre ich auf?”

Investitionskosten bewerten

Vermeidungskosten hingegen ermöglichten einen unmittelbaren Einblick in die Folgen bestimmter Maßnahmen. Sprich: Sie zeigen, mit welchen Investitionen sich Verbesserungen umsetzen lassen. „Ziel ist, die interne Kostensteuerung der Unternehmen unter Berücksichtigung aller Kosten zu optimieren.” Dabei orientiere sich SMI an der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), deren Ansätze eine gute Orientierung gäben.

So berechnet SMI beispielsweise, wie sich die aktuellen Bodenmanagementpraktiken in einem bestimmten Betrieb oder Gebiet auf das langfristige Kosten-Leistungs-Verhältnis auswirken. Bei diesem Ansatz werden die zukünftigen Kosten für schlechte oder gute Bodenbewirtschaftung für einen bestimmten Betrieb direkt hervorgehoben. “Dies ermöglicht aktuelle Entscheidungen der Betriebsleitung auf der Grundlage einer soliden wirtschaftlichen Logik.”

Best-Pracitce-Beispiel in Sambia

Auf der Website soilandmore.com wird ein konkreter Fall beschrieben. Die von den Niederlanden aus tätige Hilfsorganisation Hivos beauftragte SMI damit, in der Zentralprovinz von Sambia die tatsächlichen Kosten einer intensiven konventionellen Maisproduktion mit den Kosten nachhaltiger Maisanbausysteme zu vergleichen. SMI habe das Kosten-Nutzen-Verhältnis zweier repräsentativer landwirtschaftlicher Systeme modelliert und landwirtschaftliche Praktiken identifiziert, die die langfristige Ernährungssicherheit und Bodenfruchtbarkeit in der Region verbessern würden.

Die Ergebnisse der Studie zeigten laut SMI, dass die Kosten pro Kilo konventionellem Produkt über einen Zeitraum von zehn Jahren stärker steigen und eine höhere Volatilität aufweisen als bei dem verglichenen Bioprodukt. Dies habe Hivos zu verstehen geholfen, welche Anbaumethoden für Landwirte am nachhaltigsten und rentabelsten sind. Mit diesem Wissen könne Hivos nun effektive Programme zur Erhöhung der Ernährungssicherheit und zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit in Sambia entwickeln.