Siegel sollen für Transparenz im Biomarkt sorgen. Worin aber genau unterscheiden sich „Bio light“ und „Premium-Bio“? Wie funktionieren die Zertifizierungen und was bedeuten sie für die Produzenten? Wir bieten Ihnen einen Überblick über die Grundvoraussetzungen.

Bio ist nicht gleich Bio. Das EU-Siegel setzt den Mindeststandard, private Anbauverbände wie Bioland, Naturland und Demeter stellen hingegen deutlich strengere Anforderungen. Prinzipiell aber gilt: Der Ökolandbau steht für artgerechte Tierhaltung und den Verzicht auf Gentechnik, mineralische Stickstoffdünger und synthetische Pflanzenschutzmittel. Dass diese Standards eingehalten werden, soll der Konsument über Siegel erkennen können. Dazu muss er darauf vertrauen können, dass unabhängige Kontrollen sie sichern.

In der Praxis allerdings sorgt die wachsende Zahl von Siegeln bei vielen Verbrauchern eher für Verwirrung. Neben dem EU-Biosiegel tragen viele Produkte nicht nur das staatliche deutsche Biosiegel, sondern auch das Logo eines Anbauverbandes. Neben Demeter, Bioland und Naturland gibt es eine Reihe kleinerer Verbände, die zum Teil den Schwerpunkt auf den Anbau von Sonderkulturen legen, wie Biokreis, Hand-in-Hand (Rapunzel), Gäa, Biopark, Biozyklisch-veganer Anbau oder EcoVin und Fair’n Green. Der Freistaat Bayern hat sich über die EU 2015 ein eigenes Biosiegel besorgt, das Biovorgaben mit regionaler Herkunft verbindet.

Kein Bio ohne EU-Siegel

So unterschiedlich die Schwerpunkte der Verbände sind, so verbindet sie doch eines: Sie gehen in vielen Punkten über die gesetzlichen Regelungen der EU-Öko-Verordnung hinaus und decken teilweise auch zusätzliche Produktsegmente ab.

Doch ohne EU-Siegel geht es nicht. Wer innerhalb der Europäischen Union seine Produkte „Bio“, „Öko“ oder „aus kontrolliert biologischem Anbau“ nennen möchte, braucht seit 1. Juli 2012 verpflichtend das EU-Logo mit dem Blatt aus weißen Sternen vor hellgrünem Grund. Jedes Unternehmen, das Bioprodukte erzeugt, herstellt, aufbereitet, lagert oder vermarktet, ist kontrollpflichtig nach den EU-Vorschriften für den ökologischen Landbau.

Das sechseckige nationale Biosiegel, das 2001 in Deutschland eingeführt wurde, darf seitdem nur noch zusammen mit dem EU-Bio-Logo verwendet werden. Obwohl es keine eigene Aussage hat und eigentlich überflüssig ist, versehen viele Anbieter ihre Produkte mit beiden Siegeln. Für die Kennzeichnung gilt: Auf vorverpackten Biolebensmitteln, die einen Verarbeitungsschritt in der EU durchlaufen haben, muss das EU-Logo mit dem international standardisierten Code der Öko-Kontrollstelle und der Herkunft der Zutaten angegeben werden.