Siegel sollen für Transparenz im Biomarkt sorgen. Worin aber genau unterscheiden sich „Bio light“ und „Premium-Bio“? Wie funktionieren die Zertifizierungen und was bedeuten sie für die Produzenten? Wir bieten Ihnen einen Überblick über Erwerb und Sicherung des EU-Siegels.

Landwirte, die ihre Produkte mit einem Biosiegel zertifizieren lassen wollen, müssen sich bei einer der 16 zugelassenen Öko-Kontrollstellen anmelden. Dazu zählt beispielsweise die Ecocert IMO GmbH in Konstanz. Nach der ersten Vor-Ort-Prüfung werden die Nutzer des EU-Siegels mindestens einmal jährlich kontrolliert, ungefähr jeder fünfte Besuch erfolgt nach EU-Angaben unangemeldet.

Was steckt drin?

Bei Produkten mit EU-Siegel müssen mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe ökologischen Ursprungs sein. Dabei ist auch ein Einsatz von Rohstoffen aus Ländern möglich, die nur nach zur EU-Öko-Verordnung äquivalenten Richtlinien arbeiten. Von den insgesamt 316 in der EU zugelassenen Lebensmittel-Zusatzstoffen erlaubt die EU-Öko-Verordnung 53.

85.000 Produkte mit EU-Siegel

Jedes Produkt, das mit dem EU-Siegel gekennzeichnet wird, muss vor dem so genannten Inverkehrbringen bei der Informationsstelle Bio-Siegel per E-Mail, Fax oder Post angemeldet werden. Das Siegel muss bei der Nutzung den grafischen Vorgaben der Öko-Kennzeichnungsverordnung entsprechen. Die Nutzung ist kostenlos. Zurzeit sind in Deutschland knapp 85.000 Produkte von mehr als 5.600 Unternehmen für die Kennzeichnung mit dem EU-Siegel registriert (Stand 30.4.2020). Das EU-Siegel wird nicht für Kosmetika, Arzneimittel und Produkte aus Jagd oder Wildfischerei vergeben.

Schritte zum EU-Biosiegel:
  • Teilnahme als zertifizierter Betrieb am Kontrollsystem nach der Verordnung (EG) Nr. 834/2007
    
  • Das Produkt ist gemäß den Bestimmungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau hergestellt.
    
  • Das Bio-Siegel entspricht den grafischen Vorgaben.
    
  • Das Produkt wurde bei der Informationsstelle Bio-Siegel angezeigt. Zu jeder Anzeige muss ein Musteretikett des angemeldeten Produkts an die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gesendet werden.

Anders als Onlinehändler sind stationäre Einzelhändler von der Kontrollpflicht befreit, wenn sie Erzeugnisse ohne weitere Aufbereitung (Verpacken, Etikettieren) direkt an Endverbraucher verkaufen. Das Bio-Siegel darf von Händlern und Erzeugern zu Werbezwecken auf Displays, Regalen, Deckenhängern oder Schaufensteraufklebern genutzt werden.

„Premium-Bio“ versus „Bio light“

Kritiker des EU-Siegels monieren, dass die Anforderungen nicht weit genug gehen und die Produkte gar nicht so ökologisch hergestellt werden, wie dem Verbraucher suggeriert wird. Für sie stellt das Siegel eine Art „Bio light“ dar. Es gibt aber keine Alternative zum EU-Siegel als Bio-Standardsiegel. Die privaten Anbauverbände bieten deshalb sozusagen ein Extra für umweltbewusste Verbraucher: ein höheres Bio-Niveau und einen lückenlosen Herkunftsnachweis. Die drei größten Anbauverbände hierzulande sind Bioland, Naturland und Demeter.