Siegel sollen für Transparenz im Biomarkt sorgen. Worin aber genau unterscheiden sich „Bio light“ und „Premium-Bio“? Wie funktionieren die Zertifizierungen und was bedeuten sie für die Produzenten? Wir bieten Ihnen einen Überblick über Erwerb und Sicherung von Verbands-Siegeln.

Bio ist nicht gleich Bio. Das EU-Siegel setzt den Mindeststandard, private Anbauverbände wie Bioland, Naturland und Demeter stellen hingegen deutlich strengere Anforderungen. Für sie stellt das Siegel eine Art „Bio light“ dar. Es gibt aber keine Alternative zum EU-Siegel als Bio-Standardsiegel. Die privaten Anbauverbände bieten deshalb sozusagen ein Extra für Verbraucher: ein höheres Bio-Niveau und einen lückenlosen Herkunftsnachweis. Die drei größten Anbauverbände hierzulande sind Bioland, Naturland und Demeter.

Die größten Verbände

Demeter, der älteste Bioverband in Deutschland (seit 1924) nimmt für sich die Qualitätsführerschaft in Anspruch. Tatsächlich gehören seine Richtlinien zu den strengsten im gesamten Lebensmittelmarkt. Im Mittelpunkt steht der biologisch-dynamische Landbau. Zum Demeter e.V. zählen rund 1.700 Landwirte, 320 Hersteller, knapp 100 Hofverarbeiter sowie 140 Vertragspartner aus dem Naturkost- und Reformwaren-Großhandel. Das Siegel findet sich auch auf Kosmetikprodukten und Textilien.

Schritte zur Zertifizierung bei Demeter

  • allgemeine Erstinformationen
  • Aufklärungsgespräch (telefonisch)
  • Betriebsbesuch
  • Erstellung eines genauen Fahrplans für die Umstellungszeit
  • Entscheidung für oder gegen eine Umstellung auf biologisch-dynamischen Landbau
  • Zertifizierung

Bioland ist der größte deutsche Bioverband. 1971 als „bio gemüse e.V.“ gegründet, erfolgte 1979 die Umbenennung in Bioland. Wie bei Demeter beruht die Wirtschaftsweise der rund 8.100 Bioland-Bauern auf der Kreislaufwirtschaft. Dem Verein gehören mehr als 1.200 Verarbeiter und Händler an.

Schritte zur Zertifizierung bei Bioland
  • Erstkontakt, Informationsunterlagen, unverbindliches Beratungsgespräch
  • Vor-Ort-Termin: Besprechen individueller Möglichkeiten für eine Umstellung, Tipps zur Agrarantragsstellung/ Herstellungsberatung/Sortimentsberatung
  • Mitgliedschaft und Zertifizierung
  • Vermarktung: Zugang zum Bioland-Markt

Naturland (seit 1982) ist ein internationaler Verband für ökologischen Landbau mit rund 70.000 Bauern, Imkern und Fischwirten in 60 Ländern. In Deutschland gehören ihm 4.000 Erzeuger an. Die Naturland-Richtlinien decken auch Bereiche ab, die in der EG-Öko-Verordnung nicht geregelt sind wie ökologische Waldnutzung oder auch Vorgaben zur sozialen Verantwortung gegenüber Beschäftigten auf Naturland-Betrieben weltweit.

Schritte zur Zertifizierung bei Naturland
  • Erstinfopaket
  • unverbindliche individuelle Beratung als Grundlage zur Entscheidungsfindung
  • Termin mit Naturland-Fachberater
  • bei Verarbeitern: Erstellung eines Unterlizenzvertrags mit der Naturland Zeichen GmbH
  • Kontrollauftrag und Kontrolle
  • Zertifizierung
  • Zugang zur Marktgesellschaft der Naturland-Betriebe

Was steckt drin?

Produkte mit Bioland- oder Naturland-Siegel müssen prinzipiell 100 Prozent vom Anbauverband zertifizierte Zutaten enthalten. Nur in begründeten und genehmigungspflichtigen Ausnahmen können auch EU-Biozutaten verwendet werden. Demeter-Produkte müssen mindestens 90 Prozent Demeter-Rohstoffe enthalten – darüber hinaus gilt: Zutaten von anderen Anbauverbänden werden gegenüber EU-Bioware bevorzugt.

Von den insgesamt 316 in der EU zugelassenen Lebensmittel-Zusatzstoffen erlauben die Verbände jeweils nur gut 20, Phosphate, Jodierung, Nitritpökelsalz (Bioland, Demeter) und so genannte natürliche Aromen sind zum Beispiel verboten.

Keine Teilumstellung von Betrieben

Der bedeutendste Unterschied zwischen EU-Siegel und den privaten Siegeln: Die Anbauverbände schreiben eine Gesamtbetriebsumstellung vor, während das EU-Regelwerk Teilumstellungen von landwirtschaftlichen Betrieben erlaubt.Ein und derselbe Betrieb kann also im Rahmen des EU-Zertifikats halb konventionell und halb ökologisch wirtschaften.

Der Weg zum Verbandssiegel

Für die Landwirte und Verarbeiter, die sich einem Anbauverband anschließen, ist dies meist eine Sache der persönlichen Überzeugung. Die Verbandsmitgliedschaft hat aber auch praktische Vorteile: den persönlichen Kontakt zum Verband, Hofbesuche, Weiterbildungs- und Beratungsangebote. Beim Thema Kundenvertrauen punkten private Biosiegel bei vielen Konsumenten gegenüber dem staatlichen/EU-Siegel.