Siegel sollen für Transparenz im Biomarkt sorgen. Worin aber genau unterscheiden sich „Bio light“ und „Premium-Bio“? Wie funktionieren die Zertifizierungen und was bedeuten sie für die Produzenten? Wir bieten Ihnen einen Überblick über den Boden- und Pflanzenschutz.

Es besteht ein grundlegender Unterschied bei Betrieben, die mit EU-Siegel oder den privaten Siegeln zertifiziert sind: Die Anbauverbände schreiben eine Gesamtbetriebsumstellung vor, während das EU-Regelwerk Teilumstellungen von landwirtschaftlichen Betrieben erlaubt. Ein und derselbe Betrieb kann also im Rahmen des EU-Zertifikats halb konventionell und halb ökologisch wirtschaften – damit sind theoretisch auch Übertragungen von Pestiziden, synthetischen Düngern oder sogar gentechnisch verändertem Material auf die Bioware möglich.

Düngung

Ein EU-Biobetrieb darf zusätzlich zu Wirtschaftsdüngern (tierische Exkremente) weitere stickstoffhaltige Handelsdünger ohne Begrenzung zukaufen und einsetzen. Lediglich die Menge an Wirtschaftsdünger ist auf jährlich 170 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr beschränkt.

Bei den drei Verbänden ist die jährlich zulässige Gesamtstickstoffdüngemenge pro Jahr auf maximal 112 Kilogramm pro Hektar begrenzt, um das Risiko für hohe Nitratgehalte zum Beispiel in Gemüse und die Nitratauswaschung in das Grundwasser zu senken. Der Zukauf von konventioneller Gülle, Jauche und Geflügelmist ist bei den Verbänden ebenso verboten wie organische Dünger aus Blut-, Fleisch- und Knochenmehlen. Die EU macht hierzu keine Einschränkungen.

Pflanzenschutz und Saatgut

Chemische Pflanzenschutzmittel sind in der Öko-Landwirtschaft grundsätzlich verboten. Die EU erlaubt aber den Einsatz von Pyrethroiden (chemisch-synthetischen Insektiziden) in Fallen mit spezifischen Lockmitteln. Die Grenzwerte für den Einsatz von Kupfer in Dauerkulturen (Weinbau, Obstbau, Hopfenbau) sind bei den Verbänden um rund die Hälfte niedriger als beim EU-Siegel.

Während die EU beim Thema Saatgut Hybride und Züchtungstechnik nicht geregelt hat, verbieten die Verbände die Verwendung von Sorten aus Protoplasten- oder Cytoplastenfusion (Übertragung von Erbmaterial von einer Gattung auf die andere, wie sie auf natürlichem Weg mit herkömmlichen Züchtungstechniken nicht möglich ist), da sie für sie einen Übergang zu gentechnischen Verfahren darstellt.

Neben den großen Themen Inhaltsstoffe, Teilumstellung, Tierhaltung, Düngung und Pflanzenschutz haben die großen Anbauverbände detaillierte Vorgaben in einigen Bereichen formuliert, die die Öko-Verordnung nicht regelt, beispielsweise nachhaltige Produktverpackung, Wasserverbrauch oder Einschränkungen bei der Gewächshausheizung mit fossiler Energie.