Enorme Potenziale durch eine ökologische Wirtschaftsweise

Was der Ökolandbau für Umwelt und Gesellschaft leistet, dokumentiert eine Untersuchung des Thünen Instituts. Es ergab sich ein überwiegend positives Bild von den Potenzialen einer ökologischen Wirtschaftsweise.

Als nachhaltiges Landnutzungssystem genießt der ökologische Landbau einen guten Ruf. Um seine gesellschaftlichen und Umweltleistungen differenziert zu bewerten, hat das Thünen-Institut gemeinsam mit anderen Institutionen – darunter einige Universitäten sowie die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft und das Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung – wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema ausgewertet.

22 Wissenschaftler waren an dem interdisziplinären Verbundprojekt „Thünen Report 65“ beteiligt, 30 Jahre Forschung zum ökologischen Projekt flossen in den Report ein. Sieben Leistungsbereiche wurden untersucht: Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, biologische Vielfalt, Klimaschutz und -anpassung, Ressourceneffizienz und Tierwohl. Ausgewertet wurden 528 Veröffentlichungen aus dem Zeitraum Januar 1990 bis März 2018, in denen insgesamt 33 Vergleichsparameter zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftenden Betrieben betrachtet wurden. So ergaben sich mehr als 2800 Einzelvergleiche.

Wasserschutz und Artenvielfalt

Insgesamt hat die Auswertung ergeben, dass eine ökologische Bewirtschaftung im Bereich Umwelt- und Ressourcenschutz in 58 Prozent der analysierten Vergleichspaare Vorteile gegenüber der konventionellen Landwirtschaft aufwies. In 28 Prozent der Fälle konnten jedoch keine Unterschiede festgestellt werden, bei 14 Prozent zeigte sich die konventionelle Variante überlegen.

Gerade in puncto Wasserschutz kann sich der Ökolandbau sehen lassen. Das Grund- und Oberflächenwasser wird insbesondere durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel geschont. In den untersuchten Studien verminderte die ökologische Bewirtschaftung auch die Stickstoffausträge in Gewässer im Schnitt um 28 Prozent. Auch bei Tierarzneimitteln und den Phosphoreinträgen in Gewässer lässt sich eine geringere Belastung erwarten. Insofern kann der ökologische Landbau insbesondere zur Bewirtschaftung von Wasserschutzgebieten empfohlen werden.

Dass sich der Ökolandbau im Vergleich zu den Monokulturen des konventionellen Anbaus positiv und nachhaltig auf die Biodiversität auswirkt, war für die untersuchten Artengruppen eindeutig belegbar. So erhöhten sich die mittlere Artenzahlen der Ackerflora um 95 Prozent, der Feldvögel um 35 Prozent und der blütenbesuchenden Insekten um 23 Prozent. Allerdings hat die Landschaftsstruktur einen erheblichen Einfluss auf die Artenvielfalt speziell bei der Fauna, was die Effekte der Landnutzung stark überlagern kann.

Klimavorteile umstritten

Die Studienergebnisse unterstreichen zudem, dass der ökologische Landbau zur Erosionsvermeidung und zum Hochwasserschutz beitragen kann. Der Gehalt an organischem Kohlenstoff im Boden (Humus) und die Aggregatstabilität waren im Ökolandbau im Mittel 26 Prozent beziehungsweise 15 Prozent höher; bei der Infiltration wurde ein Unterschied von 137 Prozent festgestellt. Dadurch werden Oberflächenabfluss und Bodenabtrag vermindert. Der sparsame Ressourcenverbrauch spiegelt sich auch positiv in der Stickstoff- und Energieeffizienz wider: im Schnitt 12 beziehungsweise 19 Prozent höher.

Weniger eindeutig ist der Beitrag des Öko-Landbaus zum Klimaschutz. Zwar speichern ökologisch bewirtschaftete Böden im Schnitt mehr Kohlenstoff und geben weniger Treibhausgase ab. Die Wissenschaftler ermittelten im Schnitt 1082 Kilogramm weniger CO2‐Äquivalente pro Hektar und Jahr.

Dafür aber bringt die ökologische Landwirtschaft weniger Erträge und benötigt dadurch mehr Fläche – was die Klimavorteile wieder ausgleicht. Hintergrund: Das durchschnittliche Ertragsniveau im Ackerbau in Mittel- und Westeuropa liegt je nach Standort, Fruchtart und Bewirtschaftungssystem zwischen 9 und 40 Prozent unter dem der konventionellen Landwirtschaft.

Ressourcenpolitische Herausforderungen

Maximalen Ertrag bei maximaler Schonung der Ressourcen wird es nicht geben – ein klassisches Dilemma. Die Autoren der Metastudie plädieren deshalb dafür, stets im Einzelfall abzuwägen, wann der Ressourcennutzung und wann dem Ressourcenschutz eine höhere Priorität beizumessen ist. Gleichzeitig machen sie deutlich: Auch der Ökolandbau allein kann ohne eine Erhöhung der Produktionsintensität die drängenden umwelt- und ressourcenpolitischen Herausforderungen nicht lösen.

Die derzeit bestehende Ertragslücke im Vergleich zu konventionellen Systemen sollte durch die Züchtung leistungsfähigerer Sorten verringert werden, die speziell an die Bedingungen des Ökolandbaus angepasst sind. Dazu gehören auch resistentere Sorten gegenüber widrigen Klimabedingungen, Schädlingen und Krankheiten.

Die Ergebnisse der Studie wurden als „Thünen Report 65“ veröffentlicht, der auf www.thuenen.de als PDF verfügbar ist.