Auch die Tierhaltung wurde beim „Thünen Report 65“ unter die Lupe genommen, wobei sich dabei kein klares Bild ergab. Immerhin deuten sich Vorteile der ökologischen Tierhaltung an. Dem Verbraucherwunsch nach mehr Tierschutz trägt ein staatliches Tierwohl-Label Rechnung.

Ob Ökolandbau automatisch mehr Tierwohl bedeutet, konnte die Studie – über alle Nutztierarten und Produktionsrichtungen hinweg – nicht eindeutig beantworten. Die ökologische Wirtschaftsweise wies bei 35 Prozent der Vergleichspaare Vorteile auf, die konventionelle bei 19 Prozent. Bei 46 Prozent wurden jedoch keine eindeutigen Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Tierhaltung festgestellt. Lediglich bei der Klauen- und Gliedmaßengesundheit ergaben sich Abweichungen.

Anscheinend hat das Management einen größeren Einfluss auf die Tiergesundheit als die Wirtschaftsweise. Allerdings wurde zumeist nur die Tiergesundheit betrachtet, weitere Dimensionen des Tierwohls aber ausgeklammert. Der Effekt der artgerechteren Haltung auf das emotionale Befinden der Tiere blieb dagegen weitgehend außen vor. Hinsichtlich des Verhaltens und der Emotionen deuten sich zumindest Vorteile der ökologischen Tierhaltung an – beispielsweise aufgrund des größeren Platzangebots oder des Zugangs zu Freiflächen.

Nicht zuletzt dem Verbraucherwunsch nach mehr Tierschutz folgend, haben bereits sieben große Supermarktketten (Aldi Nord/Süd, Edeka/Netto, Kaufland/Lidl, Rewe/Penny) im April 2019 ein Tierwohl-Label eingeführt: Eigenmarkenprodukte werden seitdem mit einem vierstufen Label der „Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung“ ausgezeichnet. In Deutschland existieren darüber hinaus mehrere privat organisierte Tierwohl-Kennzeichnungen, darunter „Neuland-Label“, „Für mehr Tierschutz“ sowie „Tierschutz kontrolliert“.

„Bio“ ist nicht gleich „Tierwohl“

Immer mehr Verbraucher möchten wissen, woher die Tiere stammen und dass sie ein gutes Leben hatten und beim Schlachten nicht leiden mussten. Der Staat wird daher in diesem Jahr mit einem eigenen Tierwohl-Label nachziehen, um mehr Transparenz zu erzeugen: „Die Erkennbarkeit von tierischen Lebensmitteln, die über die gesetzlichen Vorgaben der Haltung hinausgehen, wollen wir verlässlich, einfach und verbraucherfreundlich gestalten. Dazu brauchen wir den mehrstufigen Aufbau einer staatlichen Kennzeichnung anhand verbindlicher Kriterien für Fleisch aus besserer Tierhaltung (Tierwohllabel).“

Alle Betriebe, konventionell wie ökologisch arbeitende, können die dritte Stufe, die Premiumstufe, erreichen. Deren Anforderungen gehen sogar über die Tierhaltungsanforderungen im Ökolandbau hinaus, denn es werden auch Tiergesundheitskriterien berücksichtigt, die beispielsweise bei der Schlachtung erfasst werden. Beide Kennzeichen, das geplante staatliche Tierwohlkennzeichen und das Bio-Siegel schließen sich daher nicht aus, sondern ergänzen sich.

Zunächst wurden Kriterien für mehr Tierschutz in der Haltung von Schweinen festgelegt. Die Anforderungen für die staatliche Kennzeichnung, die nicht verpflichtend für alle ist, sollen dabei deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen. Deshalb dürfen nur diejenigen mit dem staatlichen Tierwohlkennzeichen werben, die verpflichtend und überprüfbar höhere Kriterien von der Geburt bis zur Schlachtung des Tieres eingehalten haben. Die Anforderungen umfassen den Platz und die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere sowie die Strukturierung der Buchten, die Tiergesundheit und die Dauer von Transporten.