Die Weleda AG hat den Chefposten im größten Markt zum 1.April neu besetzt. Nadja Holland trägt als Regionaldirektorin Markt DACH die Verantwortung für das Naturkosmetik- und das Arzneimittelgeschäft. Im Interview erklärt sie, welche Produktgruppen von Corona profitieren, wie Weleda den Bioanteil weiter steigern will und warum nachhaltige Verpackung bei Naturkosmetik eine besondere Herausforderung ist.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf das Geschäft von Weleda aus?

Wir werden sicherlich ein verlangsamtes Wachstum sehen aufgrund der Corona-getriebenen Rezession in manchen Ländern. Dennoch sehen wir positiv in die Zukunft, denn unsere Positionierung und hohe Qualität der Produkte wird aufgrund der besonderen Berücksichtigung des ökologischen Fußabdruckes weiter an Relevanz gewinnen. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir eine Omni-Kanal Präsenz haben und daher weltweit weniger von dem Lockdown betroffen sind als andere Industriezweige. Auch sehen und erwarten wir derzeit keine Lieferkettenengpässe.

Hat Corona Folgen für die Expansionspläne der Weleda-City-Spas?

Wir halten an unserer Expansionsstrategie fest, planen und freuen uns auf die Neueröffnung in Stuttgart im Herbst 2020.

Wie entwickeln sich die Segmente Naturkosmetik und Arzneimittel in den deutschsprachigen Märkten?

Wir erwarten für den Markt DACH bei der Naturkosmetik einen Marktanteilsgewinn in unseren Kernkategorien. Besonders stark entwickelt sich, bedingt durch die Corona-Pandemie, der Bereich Hand, All-purpose durch unsere erfolgreiche Skin-Food Serie, Körperlotionen und Dusche.

Unsere Arzneimittel entwickeln sich je nach Kategorie unterschiedlich. Unser Erkältungsportfolio zeigt durch Corona guten Absatz, während andere Bereiche insbesondere unser umfangreiches Servicesortiment sich unter dem Markt entwickelt.

Der Druck am Regal nimmt durch die Vielzahl neuer Naturkosmetikmarken zu, große Konsumgüterhersteller sind in den Markt eingestiegen. Was bedeutet das für Branchenpioniere wie Weleda?

Wir nehmen hier gerne die Herausforderung an, noch attraktiver für den Endverbraucher zu werden und werden 2020 und 2021 mit spannenden Neuheiten auf den Markt kommen. Unsere Arbeit an konsequent verantwortungsvollen Lieferketten, Transparenz was die Herkunft und Produktion der Rohstoffe angeht sowie unsere UEBT-Zertifizierung (UEBT = Union for Ethical Biotrade; Zertifikat für ethische Rohstoffbeschaffung), bei dem Weleda die erste europäische Marke ist, werden in Zukunft weiterhin eine klare Positionierung aufzeigen.

Weleda hat die Marketingausgaben zuletzt deutlich erhöht.

Wir haben unsere Ausgaben aber auch stärker auf unsere Wachstumssortimente ausgerichtet, damit wir mit einer ganzheitlichen Endverbraucheransprache über die relevanten Touchpoints hinweg Bekanntheit stärken können. Zusätzlich haben wir eine neue Markenkampagne: Eins mit der Natur.

Damit sind wir beim Thema Nachhaltigkeit: Ist der Bioanteil der Inhaltsstoffe bei der Naturkosmetik von Weleda (rund 80 Prozent) noch steigerbar?

Wir versuchen, wo immer möglich, Rohstoffe aus biologischem oder biologisch-dynamischem Anbau zu verwenden. Bei manchen Rohstoffen, die wir nicht selbst anbauen oder aus langjährigen Partnerschaften beziehen, sind wir auf die Verfügbarkeit am Weltmarkt angewiesen. Hier kann es natürlich sein, dass ein Rohstoff dann nicht in der benötigten Menge durchgehend in Bio-Qualität verfügbar ist. Beispiel Bio-Mandeln: Hier wird primär der Lebensmittelmarkt bedient.

Nichtsdestotrotz gelten auch für Rohstoffe, die wir nicht in bio verwenden, höchste Qualitätsstandards, die entlang der Liefer- und Herstellkette streng überprüft werden. Unsere neuen Partner halten die Bioanforderungen und die sozialen und ökologischen Standards der UEBT ein. Insofern bleibt es unser Ziel, den Bioanteil unserer Rohstoffe von derzeit 80 Prozent in den nächsten Jahren weiter zu steigern. Bis 2022 wollen wir zudem den Anteil der Rohstoffe aus dem noch strengeren biologisch-dynamischen Anbau auf 30 Prozent steigern.

Der Anteil von Recyclingmaterial an den Verpackungen soll sich bis 2022 verdoppeln. Können Sie dazu Genaueres sagen?

Bis 2023 werden 65 Prozent unserer Primärverpackungen aus recycelten Quellen stammen. Dafür werden wir den Anteil an recyceltem PET erhöhen und bei Glas vollständig auf Glas mit sehr hohem Recyclinganteil umstellen.

Das ist für Naturkosmetikprodukte insofern eine Herausforderung, weil die Verpackung das Produkt vor Sauerstoff, Licht und Verunreinigung schützen muss. Wir verarbeiten besonders empfindliche und wertvolle Rohstoffe, verzichten aber natürlich auf synthetische Konservierungsstoffe. Deshalb muss die Verpackung die Konservierung leisten und wir müssen sehr sorgfältig prüfen, wie wir den Schutz des Inhalts mit den ökologischen Aspekten und den Wünschen unserer Kunden in Einklang bringen.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Schaut man sich Ihren beruflichen Werdegang an, so finden sich dort große Namen aus der Pharmaindustrie und Konsumgüterbranche. Was hat Sie am Wechsel zu Weleda, einem Unternehmen, das von der Anthroposophie inspiriert ist, gereizt?

In jedem Unternehmen geht es vor allem um die Marken, die man als Team weiterentwickelt, und da ist Weleda als die Nummer eins in der Naturkosmetik besonders hervorzuheben. Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass ich meinen Beitrag in einem werte- und mitarbeiterorientierten Unternehmen einbringen kann. Auch hier ist die Weleda wegweisend.