Alternative Pflanzenschutz- und Düngemittel für den ökologischen Landbau

Auch der ökologische Landbau ist auf den Einsatz von extern produzierten Pflanzenschutzmitteln angewiesen. Oft werden hier solche auf Kupfer- und im mediterranen Raum auch auf Mineralölbasis verwendet. Ihr Einsatz ist allerdings umstritten. Das europäische Forschungsprojekt RELACS sucht nach Alternativen.

Kupfer ist für den ökologischen Landbau aufgrund seiner Wirksamkeit gegen unterschiedliche Schadpilze unverzichtbar, beispielsweise im Weinbau sowie beim Anbau von Obst und Kartoffeln. Die Kupferionen der Wirkstoffe dringen in die Pilzzellen ein und verhindern dort lebenswichtige Enzymreaktionen. Laut oekolandbau.de gehen Forscherinnen des Julius-Kühn-Instituts (JKI) davon aus, dass ein kompletter Verzicht auf Kupfer-basierte Pflanzenschutzmittel je nach Anbauprodukt und Witterung einen Ernteausfall von 40 bis 80 Prozent bedeuten würde.

Ihr Einsatz ist dennoch umstritten, da Kupfer ein Schwermetall ist, das sich besonders in oberen Bodenschichten ablagert und nicht abgebaut wird. Weil Kupfer nicht nur für Schadpilze, sondern auch für andere Mikroorganismen toxisch ist, kann sich das Bodenleben und damit die Bodenzusammensetzung verändern. Darum ist die Findung von Alternativen zu Kupfer einer der Forschungsschwerpunkte des europäischen Forschungsprojekts RELACS (Replacement of Contentious Inputs in Organic Farming Systems), dessen Ziel es ist, den Einsatz von extern produzierten Materialien im ökologischen Landbau zu reduzieren.

Kombination komplementäre Ansätze: Pflanzenextrakte und physikalische Methoden

Ein weiterer Schwerpunkt des Projektes, das beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz angesiedelt ist und mit 15 Partnerinstitutionen und -organisationen zusammenarbeitet, sind alternative Methoden zur Bekämpfung von Schmier- und Wollläusen, roten kalifornischen Schildläusen und Aleurocanthus spiniferus (stachelige Weiße Fliege), die die Hauptschädlinge im Anbau von Zitrusfrüchten darstellen und konventionell mit Mineralöl-Derivaten bekämpft werden. So erforscht die Fondazione Edmund Mach in Italien die Wirksamkeit einer Kombination aus Pflanzenextrakten und physikalischen Methoden. Konkret untersucht sie den Einsatz vom Ätherischen Öl der Süßen Orange sowie vom Extrakt der Blauen Klitorie in Verbindung mit einem Vibrationsgerät. Letzteres soll durch Vibration das Paarungsverhalten der Schädlinge stören, während die Pflanzenprodukte abschreckende Wirkung versprechen.

Recycelte Düngemittel

Außerdem untersucht RELACS die Potenziale alternativer Düngemittel wie beispielsweise recycelter Exkremente aus städtischen Abwasserläufen. Hierzu analysierten die Forscher die Nährstoffwerte von 79 Landwirtschaftsbetrieben in sieben EU-Regionen. Das Ergebnis ergab im Durschnitt ein Überschuss an Stickstoff (+28 kgN/ha) sowie einen fast ausgeglichenen Phosphor- (1 kgP/ha) und Kaliumhaushalt (+2 kgK/ha).

Allerdings variierten die Nährstoffgehalte zwischen den Betrieben stark (z. B. -15 bis +40 kgP/ha für Phosphor). Betriebe mit externem Stickstoffeintrag wiesen tendenziell Überschüsse bei allen drei Nährstoffen auf, während die zunehmende Verwendung von biologischer Stickstofffixierung negativere Budgets von Phosphor und Kalium verursachte. Die Befragung der Landwirte ergab, dass alle von ihnen für die Verwendung recycelter Düngemittel, auch aus städtischen Abwässern, offen wären. Allerdings hegten sie Bedenken bezüglich Kontamination und Akzeptanz durch die Kunden.