Initiative für Impfung gegen Ebergeruch

Die Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (LÖK) hat sich im Zuge der Diskussion um die betäubungslose Ferkelkastration gegen die Immunokastration ausgesprochen. Verbände und Konzerne fordern nun vehement, die Impfung gegen Ebergeruch weiter zuzulassen.

Vom nächsten Jahr an dürfen Ferkel nur noch mit Betäubung kastriert werden. Die Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (LÖK), ein Arbeitsgremium der Agrarministerkonferenz, die unter anderem für die Auslegung von (EU)Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zuständig ist, hat in diesem Zusammenhang auch die Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration) unter die Lupe genommen und deren Einsatz in Öko-Betrieben für unzulässig erklärt. Hintergrund des drohenden Verbots ist eine nicht bindende Interpretation der EU-Öko-Verordnung durch die EU-Kommission.

Verbände und Konzerne gehen nun gegen dieses Verbot auf die Barrikaden. So haben sich unter anderem Naturland, die Rewe Group, die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz und die Tierschutzorganisation Provieh zusammengeschlossen, um dagegen vorzugehen. Einzelne Bundesländer, wie Niedersachsen, haben ankündigt, die seit dem Jahr 2010 zugelassene Immunokastration weiter zu erlauben.

„Impfung beste Alternative“

Denn nach Meinung der Experten sei die Impfung aus tierschutzfachlicher Sicht die beste Alternative zur operativen Kastration. Dass diese ausgerechnet den Öko-Betrieben verwehrt werden soll, widerspreche den Grundwerten des ökologischen Landbaus und der EU-Öko-Verordnung, in denen das Tierwohl einen herausragenden Stellenwert besitze.

Johannes Hohenester, Naturland Schweinemäster und 2. Vorsitzender Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland berichtet aus der Praxis: „Der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration ist richtig, aber für eine flächendeckende Umsetzung benötigen wir ausreichend Alternativen für alle Betriebe. Ich selbst setze in meinem Betrieb bereits seit 2017 auf die Impfung und habe damit beste Erfahrungen gemacht. Die praktische Umsetzung ist gut und meine Kundschaft bekommt beste Fleischqualität von unversehrten Tieren. Nicht umsonst war ein Nackensteak von meinem Betrieb gerade erst wieder Testsieger bei Stiftung Warentest.“

Für den Öko-Landbau sind derzeit folgende Verfahren zugelassen: die Kastration unter Narkose, die reine Ebermast sowie die Ebermast mit Impfung gegen Ebergeruch. Das staatliche Friedrich-Löffler-Instituts hat sich in einer Studie mit der Impfung befasst, die zu einer Impfempfehlung geführt hat. Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wirbt mit einer Broschüre für die Impfung.