Die Ansicht, dass konventionelle Produkte kostengünstiger zu produzieren sind als ökologische stimmt nicht. Der Grund: Die gesamtgesellschaftlichen Kosten werden nicht berücksichtigt.

Bioprodukte sind in aller Regel teurer als Produkte, die aus konventioneller Landwirtschaft stammen. Die Kosten bei der Herstellung sind höher. Doch das stimmt nur bei rein betriebswirtschaftlicher Betrachtung. Werden externe Kosten berücksichtigt, ändert sich das Bild. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat 2014 das Projekt initiiert, die gesamtgesellschaftlichen Kosten landwirtschaftlicher Produktion zu berücksichtigen. Seitdem sind viele Organisationen dem Beispiel gefolgt.

Es bedarf einer Vollkostenrechnung

Die FAO beschreibt ihren Ansatz so: Unsichtbare Ressourcen wie intellektuelle, menschliche, soziale und natürliche Vermögenswerte werden in den traditionellen Finanzbilanzen nicht erfasst, diese gelte es in eine gemeinsame Währung zu übersetzen, um strategische Entscheidungen über Auswirkungen und Abhängigkeiten zu treffen. Daher bedarf es einer Vollkostenrechnung, auch als True-Cost-Rechnung, Gesamtkosten oder Gesamtbelastung bezeichnet. In diese werden nicht marktfähige Güter wie Umwelt- und Sozialgüter einbezogen, um die Kosten und den Nutzen von geschäftlichen und/oder politischen Entscheidungen zu analysieren.

Es gebe viele Ansätze, mit denen Unternehmen ihre Einflüsse und Abhängigkeiten messen und bewerten, ihre Entscheidungsfindung und Strategie bestimmen und sich mit Stakeholdern austauschen. Auch große Beratungsfirmen nutzen den erweiterten Ansatz zur Kostenberechnung, Risikobewertung und Entscheidungshilfe, so die FAO. Im Dokument „Millennials’ Inheritance Revisited“ aus dem Jahr 2017 werden „Total Impact Measurement & Management“ (2013) von PricewaterhouseCoopers, „True Value“ (2014) von KPMG und „Total Value“ (2017) von E&Y genannt. Die FAO bietet das Naturkapitalprotokoll an, das all diese Ansätze ergänze und einen standardisierten Rahmen biete, um das Naturkapital in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.

Kosten werden von der Gesellschaft getragen

Wird dieser neutral formulierte Ansatz konkret in die Welt der Bio-Produzenten übersetzt, liest sich das so: Werden bei der Erzeugung von Lebensmitteln synthetische Düngemittel auf Mineralölbasis, Herbizide und Pestizide eingesetzt, entstehen externe Kosten, denn dieser Einsatz hat Auswirkungen auf Bodenabbau und Bodenverarmung, Wasserverschmutzung und Klimawandel. Diese Kosten werden vom Produzenten verursacht, aber von der Gesamtgesellschaft getragen.

Im Jahr 2017 wendete die Studie „The Hidden Cost of UK Food“ des britischen Sustainable Food Trust diesen Ansatz an und kam zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Für jedes britische Pfund, das Verbraucherinnen und Verbraucher im Vereinigten Königreich für Lebensmittel ausgeben, entsteht ein weiteres Pfund an Folgekosten in Form von Gesundheits- und Umweltschäden. Betrachte man also die wahren Kosten, dann seien Bio-Lebensmittel günstiger als konventionell erzeugte.

Delta zwischen Marktpreisen und tatsächlichen Preisen

Die Arbeitsgruppe „Märkte für Menschen“ der Universität Augsburg lieferte 2018 einen Beitrag, dazu das Delta zwischen aktuellen Marktpreisen und den tatsächlichen Preisen aufzuzeigen. Ihre Studie “How much is the dish” kam zu ähnlichen Schlüssen wie ihre Kollegen aus Großbritannien: Demnach gingen die höchsten externen Effekte beziehungsweise Folgekosten mit der Produktion konventionell hergestellter Produkte tierischen Ursprungs einher (196 Prozent Aufschlag auf die Erzeugerpreise), die zweithöchsten Aufschläge ergäben sich für konventionell hergestellte Milchprodukte (96%) und die niedrigsten für Bio-Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs (6%).

Sind die Werte des CO2-Fußabdrucks, des zur Wasseraufbereitung erforderlichen Aufwands sowie der Bodenerosion bekannt, könne mit dem von der FAO präsentierten Modell jede Organisation und jedes Unternehmen die versteckten Kosten für ein Produkt berechnen, schreibt das Bundeszentrum für Ernährung (BzfE) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).