Dänen und Schweizer geben am meisten für Bioprodukte aus

Die ökologische Landwirtschaft wächst weltweit. Beim Anteil der Bioflächen an der Landwirtschaft liegen europäische Länder ebenso vorne wie bei Biomarktanteilen und Pro-Kopf-Verbrauch. Skandinavische Länder, Österreich und die Schweiz sind hier spitze und können auch bei der Erschließung neuer Vermarktungswege wie der Außer-Haus-Verpflegung Vorbild für Deutschland sein.

2018 wurden weltweit 71,5 Millionen Hektar biologisch bewirtschaftet, das waren 2,9 Prozent mehr als noch 2017. Das hat das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) mit Sitz im schweizerischen Frick ermittelt. FiBL ist eine der führenden Forschungseinrichtungen zur Biolandwirtschaft und hat kürzlich, gemeinsam mit dem Weltdachverband des Biolandbaus IFOAM – Organics International, die jüngste Ausgabe des statistischen Jahrbuchs „The World of Organic Agriculture“ herausgegeben. Die Datensammlung wird vom Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, dem International Trade Centre ITC, dem Coop Fonds für Nachhaltigkeit und der NürnbergMesse gefördert.

Die Länder mit den größten Bioflächen sind laut der jüngsten Ausgabe des Jahrbuchs Australien (35,7 Millionen Hektar), Argentinien (3,6 Millionen Hektar) und China (3,1 Millionen Hektar). In Europa ist Spanien nach wie vor das Land mit der größten Biofläche, 2,2 Millionen Hektar, gefolgt von Frankreich und Italien mit jeweils 2,0 Millionen Hektar.

USA und EU sind die größten Märkte, China holt auf

Die Daten zum biologischen Landbau in Europa erhebt FiBL gemeinsam mit der Agrarmarkt Informationsgesellschaft AMI, Bonn. Während weltweit 1,5 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche biologisch bewirtschaftet werden, sind es in Europa mehr als doppelt so viel (3,1 Prozent, EU: 7,7 Prozent). In vielen europäischen Ländern sind die Anteile jedoch wesentlich höher: Liechtenstein hat einen Bioflächenanteil von 38,5 Prozent und ist damit weltweit Spitzenreiter. Unter den Ländern mit den höchsten Bioflächenanteilen finden sich mit Österreich (24,7 Prozent), Estland (21,5 Prozent), Schweden (19,9 Prozent), Italien (15,8 Prozent), Lettland (15,4 Prozent) und der Schweiz (15,4 Prozent) damit insgesamt sieben europäische Länder.

Das Marktforschungsunternehmen Ecovia Intelligence beziffert den globalen Markt für Bio-Produkte 2018 auf über 100 Milliarden US-Dollar (ca. 97 Milliarden Euro). Die Europäische Union ist mit 37,4 Milliarden Euro nach den Vereinigten Staaten (40,6 Milliarden Euro) der zweitgrößte Binnenmarkt für Bioprodukte. Seit einiger Zeit steigt auch in China das Verbraucherinteresse an biologisch erzeugten Produkten, der chinesische Markt entwickelt sich rasant, auch aufgrund großer Lebensmittelskandale. 2008 legte er um 4,1 Prozent auf umgerechnet 8,1 Milliarden Euro zu. Damit ist China hinter den USA, Deutschland und Frankreich bereits der viertgrößte Markt für Bioprodukte.

Deutsche geben pro Kopf 132 Euro für Bioprodukte aus

Wichtige Biomärkte verbuchten 2018 sogar zweistellige Wachstumsraten, weltweit am stärksten stiegen die Umsätze in Frankreich (plus 15,4 Prozent). Der gesamte Biomarkt in Europa wuchs 2018 um fast 8 Prozent auf 40,7 Milliarden Euro (EU: 37,4). Weltweit haben die europäischen Länder den höchsten Anteil von Bioprodukten als Prozentsatz ihrer jeweiligen Lebensmittelmärkte. Dabei stehen skandinavische Länder, Österreich und die Schweiz an der Spitze. Deutschland ist zwar mit 10,9 Millionen Euro nach Frankreich (9,1 Millionen Euro) und Italien (3,5 Millionen Euro) das europäische Land mit dem größten Marktvolumen – doch Biomarktanteile und Pro-Kopf-Ausgaben sind in anderen Ländern deutlich höher. Beim Anteil von Bio am Gesamtmarkt liegen Dänemark (11,5 Prozent) die Schweiz (9,9 Prozent) und Schweden (9,6 Prozent) vorne. Deutschland belegt mit 5,3 Prozent Platz 6.

Zwar gaben die Deutschen 2018 nach Daten des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) 5,5 Prozent mehr für Biolebensmittel aus, doch geben Konsumenten in anderen Ländern deutlich mehr für den Biokonsum aus. Dänen und Schweizer lassen sich Biolebensmittel mit jeweils 312 Euro pro Jahr am meisten kosten, es folgen die Schweden (231 Euro), Luxemburger (221 Euro), Österreicher (205 Euro), Norweger (159 Euro) und Franzosen (136 Euro). Die Deutschen folgen mit 132 Euro auf Platz 8. Im Durchschnitt gaben die europäischen Verbraucher 2018 pro Person 50,5 Euro für Biolebensmittel aus (EU: 76 Euro).

LEH ist in vielen Ländern Wachstumstreiber

Die Bedeutung der verschiedenen Vertriebskanäle ist von Land zu Land unterschiedlich. In der Vergangenheit zeigten Länder wie Österreich, Dänemark, Schweden, die Schweiz und Großbritannien, in denen der klassische Lebensmitteleinzelhandel eine wichtige Rolle bei der Bio-Vermarktung spielt, ein stetiges Marktwachstum.

Frankreich ist das einzige europäische Land, in dem alle Vertriebskanäle, Fachgeschäfte wie Supermärkte, in gleichem Maße wachsen, und auch in Italien spielen spezialisierte Einzelhändler nach wie vor eine sehr wichtige Rolle. In Deutschland befindet sich der Markt in einer Übergangsphase, auch hier ist der LEH zur treibenden Kraft geworden. Wurden 2014 noch 33 Prozent aller Bioprodukte in Bioläden verkauft, ist diese Zahl inzwischen auf 27 Prozent gesunken, fast 60 Prozent der Biolebensmittel werden in Supermärkten und Discountern abgesetzt.

Anders als in den vergangenen Jahren wächst in vielen Ländern Europas die Fläche nun wieder ähnlich schnell wie der Markt. 2018 vergrößerte sich die Biofläche um 8,7 Prozent in Europa und 7,6 Prozent in der Europäischen Union. Besonders in Deutschland und Frankreich, wo seit 2017 viele Betriebe neu umgestellt haben, nimmt der Eigenversorgungsgrad mit Biolebensmitteln deshalb zu.

Außer-Haus-Verpflegung als neuer Vermarktungsweg

Dank wachsender Flächen können die inländischen Produktionen hier inzwischen also wieder größere Teile der Nachfrage abdecken – und müssen gleichzeitig neue Vermarktungswege erschließen. Dabei wird die Außer-Haus-Verpflegung immer wichtiger. Vorbilder beim Ausbau der Bioanteile in Großküchen können erneut Dänemark und Österreich sein. Bei unseren nördlichen Nachbarn stieg das Marktvolumen der Außer-Haus-Verpflegung mit Bioprodukten von 2017 auf 2018 um ein Fünftel auf 316 Millionen Euro an. Inzwischen verwenden 3.000 dänische Großküchen mindestens 30 Prozent biologische Lebensmittel. Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen ist mit 90 Prozent Bioanteil in seinen Einrichtungen Europas Spitzenreiter.

Wie Impulse durch die Politik für mehr Bio in Schulen, Krankenhäusern und Kantinen sorgen können, zeigt auch Österreich: Das Regierungsprogramm sieht dort eine Bioquote von 55 Prozent bis 2013 vor, gemeinsam mit 100 Prozent regionaler und saisonaler Beschaffung.

Das Jahrbuch „The World of Organic Agriculture“ enthält Daten aus 186 Ländern und gibt einen umfassenden Überblick über Biolandwirtschaftsflächen und Absatzmärkte weltweit. Die Druckversion (30 Euro plus Versand; IFOAM-Mitglieder 20 Euro) der Studie kann über https://shop.fibl.org/chde bestellt werden. Dort und unter www.organic-world.net/yearbook/yearbook-2020.html steht das Buch auch kostenlos zum Herunterladen zur Verfügung.