Werden mehr als ein Viertel der erneuerbaren Wasserressourcen genutzt, besteht laut Vereinten Nationen „Wasserstress“. Dem Wasserrisiko-Atlas des World Resource Institute (WRI) zufolge sind 17 Staaten sogar von „extrem hohem Wasserstress“ betroffen.

Heute wird etwa doppelt so viel Grundwasser aus dem Boden geholt wie noch vor rund 60 Jahren, am meisten Wasser wird weltweit für die Landwirtschaft benötigt. Doch die Vorräte sind endlich, in vielen Regionen der Erde wird das Wasser zunehmend knapp, auch Teile Europas sind betroffen. Ein Viertel der Menschheit lebt in Staaten, die bereits von akutem Wassermangel bedroht sind. Die Folge ist eine verschärfte Konkurrenz um die Ressource, gerade zwischen Landwirtschaft und Haushalten.

Die Forscher, die die Wasserressourcen in 189 Staaten untersuchten, warnen vor zunehmenden Engpässen, vor allem in Metropolen. Besonders stark betroffen sind Staaten im Nahen Osten und Nordafrika, in denen es ohnehin sehr trocken ist. Wasserknappheit könnte dort zudem bestehende politische Spannungen verschärfen. Am schlimmsten ist die Lage in Katar, Israel und im Libanon. Große Sorge bereiten den Experten die knappen Wasserreserven in Indien. Mit 1,3 Milliarden Einwohnern hat der Staat mehr als drei Mal mehr Einwohner als die restlichen 16 Staaten mit extrem hohem Wasserstress zusammen.

Durstige Zeiten für deutsche Wälder

Auch in Europa wird das Wasser knapper. Deutschland landet in diesem Ranking auf Platz 62; laut WRI werden hierzulande 20 bis 40 Prozent der Wasserreserven genutzt. Gemäß Bundesumweltamt sind es allerdings seit 15 Jahren weniger als 20 Prozent der erneuerbaren Wasserressourcen. Die Hitzesommer haben allerdings gezeigt, dass Wasser auch bei uns zu einem knappen Gut werden kann – zwar weniger für die Menschen, aber umso mehr für Wälder, Felder, und Schifffahrt.

Keine Entspannung in Sicht

Seit den Sechzigerjahren habe sich die entnommene Grundwassermenge weltweit mehr als verdoppelt, berichten die WRI-Forscher. Und in den nächsten Jahrzehnten könnte sich die Lage noch verschärfen. Laut Aquastat, dem globalen Wasserinformationssystem, steigt der Wasserverbrauch seit den 80er-Jahren etwa um ein Prozent pro Jahr.

Der UN-Weltwasserbericht 2019 kommt unter anderem zu dem Schluss, dass etwa 90 Prozent aller Naturkatastrophen wasserbedingt sind: Zwischen 1995 und 2015 machten Überschwemmungen 43 Prozent und Dürren fünf Prozent der dokumentierten Naturkatastrophen aus. Einer Studie der Weltbank zufolge, könne der Klimawandel viele negative Entwicklungen noch verstärken. Um gegenzusteuern, sehen die WRI-Experten drei Möglichkeiten:

  • In der Landwirtschaft gezielte – statt flächendeckende – Bewässerung von Pflanzen und Anpflanzung von Sorten, die bei Trockenheit gut wachsen
  • Investitionen in Infrastruktur, also Wasserleitungen, die trockene Gegenden versorgen
  • Vermehrte Aufbereitung von Abwasser