PlantAge – Ein vollkommen anderer unternehmerischer Ansatz

Regionale Vollversorgung, solidarische Landwirtschaft, genossenschaftlich organisiert: PlantAge geht einen anderen Weg, doch der kommt an: 2019 gab es beim Next Organic Start-up-Award den Publikumspreis.

Seit Juli 2019 beliefert PlantAge aus Frankfurt (Oder) Haushalte in Berlin und Brandenburg wöchentlich mit saisonalem Gemüse aus veganem Anbau. Das Besondere an PlantAge: Es verbindet Prinzipien der solidarischen Landwirtschaft (Solawi) mit dem Genossenschaftsmodell.

Diese Organisationsform, die die Produktion und Konsumtion des Eigenbedarfs mit einbezieht, wird auch als Prosumentengemeinschaft bezeichnet. Die kleinräumige Führung der Wirtschaftskreisläufe ist, so Stefan Gothe im kritischen Agrarbericht 2018, für die Gestaltung der regionalen Wertschöpfungsräume ein besonderer Punkt, denn sie beteilige Verbraucherinnen und Verbraucher als Prosumenten und durch Kapitalbeteiligungen aktiv an dieser Gestaltung.

Solidarisch und professionell

„Die Mitglieder von PlantAge sind also nicht nur Konsumenten, sondern organisieren ihre eigene ökologische und faire Gemüseversorgung“, heißt es auf der PlantAge-Website. Frederik Henn, der gemeinsam mit Judith Ruland die Genossenschaft gegründet hat, präzisiert das Modell: „Unsere Investoren sind gleichzeitig auch die Kunden. Als Genossenschaft sind wir momentan komplett eigenfinanziert durch Einlagen von ca. 150.000 Euro.“ Mit zwei Crowdfundings konnten rund 30.000 Euro zusätzlich eingesammelt werden. Das Genossenschaftsmodell habe, so Henn, den großen Vorteil, auf Kundensuche gleichzeitig Investoren zu finden. „Dadurch entsteht eine langfristige Verbindung zum Unternehmen, was in der Start-up-Zeit enorme Sicherheiten bringt.“

Darüber hinaus helfe diese Struktur, solidarische Landwirtschaft zu professionalisieren, ergänzt Simon Scholl, der 2012 in München das ähnlich aufgestellte Kartoffelkombinat mitgegründet hat und bei der Konzeption von PlantAge half. Bislang gibt es laut Scholl erst 12 derartige Prosumentengemeinschaften, „alles pionierhafte Initiativen, die sich bereits jetzt als sehr erfolgreich erweisen“.

Die Genossenschaft verlange den Solawi-Akteuren ab, betriebswirtschaftlich zu denken, denn schon bei ihrer Gründung ist ein Businessplan erforderlich. Professionalisierung sei wichtig, um die Ebene der idealistischen Selbstausbeutung zu verlassen und so Schritt für Schritt den Weg in die Breite der Bevölkerung zu schaffen.

Die PlantAge eG konnte von den Erfahrungen des Kartoffelkombinats profitieren, wobei Scholl den Berlinern attestiert, mit ihrem Projekt in der „Welthauptstadt des Veganismus“ gut aufgestellt zu sein. PlantAge habe mit ihrem Fokus auf bio-veganen Gemüseanbau eine Nische gefunden und fülle diese mit eigenen Formaten, Identitäten und unternehmerischem Antrieb sehr gut aus. Darüber hinaus sei PlantAge von Anfang an „sehr stark in der Außen-Kommunikation“ gewesen.

Ein Franchise, aber offen und sozial

Unterstützung erhielt PlantAge darüber hinaus von der WirGarten Lüneburg eG. Deren Vorstandsmitglied Matti Pannenbäcker erklärt: „Wir unterstützen Gründungen von Bürger-Gemüse-Genossenschaften mit unserem Open Social Franchise System, ob mit der Marke „WirGarten“ oder ohne wie im Beispiel PlantAge.“ Das System besteht im Kern aus acht Modulen. Neben der Basis aus regenerativem Gemüseanbau, solidarischer Landwirtschaft und Genossenschaft zählen weiterhin dazu

  • professionelle Kommunikation (zielgruppenspezifisch, regelmäßig und auf vielfältigen Kanälen);
  • Community Building (Aufbau und Förderung einer aktiven WirGarten-Community),
  • modulare Infrastruktur (Bedarfsgerechte und kapitalarme Infrastruktur für dynamische Betriebsentwicklungen);
  • digitale Verwaltung (einfach, digital, auf das Wesentliche fokussiert und günstig);
  • moderne Arbeitsorganisation (Förderung und Aufbau von Selbstorganisation, Ganzheitlichkeit und Sinn im Betrieb).

Allen genannten Projekten ist gemein, dass sie sich professionell von markt- und kapitalgetriebenen Wirtschaftsformen absetzen. Diesen wird ein gemeinschaftsgetragener, werteorientierter, sprich: vollkommen anderer, unternehmerischen Ansatz entgegengestellt.