Nüsse liegen ernährungstechnisch voll im Trend, werden aber nur ganz selten in Deutschland angebaut. Die Walnussmeisterei hat eine Nische entdeckt – und erschlossen.

Als Vivian Böllersen ihre Masterarbeit über das Potential des Deutschen Walnussanbaus schrieb, wurde ihr schnell klar: Hier gab es goße Möglichkeiten. Sie machte sich auf die Suche und fand inmitten der Veltener Luchwiesen einen idyllischen Walnusshain mit 200 Walnussbäumen in über 30 verschiedenen Sorten.

Das war 2015, quasi die Geburtsstunde der Walnussmeisterei, ihre Gründerin zählt den Anbau von Walnüssen sowie die Beratung und Forschung auf diesem Gebiet zu den Kernkompetenzen, hinzu kommen die Betriebszweige Baumschule, Lebensmittelhandel und Verarbeitung. 2016 gewann sie den Next-Organic-Start-up-Award, Bekanntheit und Vernetzung wuchsen.

Eine wichtiger Partner ist die Ökonauten eG, die sich die Erhaltung und Förderung kleinstruktureller Landwirtschaft auf die Fahnen geschrieben hat. Die Genossenschaft kaufte Fläche und verpachtete diese langfristig und zu fairen Konditionen der Walnussmeisterei, die seit dem Mitglied der Ökonauten ist. Für die Walnussmeisterei sei dies eine “glückliche Fügung” gewesen, erzählt Böllersen.

Vernetzung ist Trumpf

Wertvolle Hilfe erhält das Start-up von der Fördergemeinschaft ökologischer Landbau (FÖL): “Sie ist gut vernetzt und hat uns unter anderem schon einen Kontakt zu Regionalwert AG vermittelt”, sagt Böllersen, mit der FÖL komme man schnell in Kreise, die einen weiter verlinken, sie sei so etwas wie ein Dreh- und Angelpunkt, und das nicht nur bei der Investorensuche.

So kam über die FÖL ein Kontakt zur Markthalle IX in Berlin Kreuzberg zustande. Hier fand die Walnussmeisterei nicht nur einen neuen Marktplatz, sondern erfuhr über den angeschlossenen Lieferbetrieb eine noch größere Verbreitung. “Die Reichweite hätte ich alleine nicht so schnell hinbekommen”, so Böllersen.

Die Aufmerksamkeit des Kunden zu erlangen, was bei anderen Bioprodukten vielleicht schwierig sein mag, war bei der Walnussmeisterei aber kein Problem. „Vegetarisch, vegan, Rohkost, Paleo – überall spielen Nüsse eine große Rolle. Die Nachfrage ist so groß, dass ich sie nicht komplett bedienen kann“, zitiert sie der Tagesspiegel.

So konnte eine Nische besetzt und der lokale Markt schnell bedient werden. Das geschah zunächst über regionale Direktvermarktung, nach fünf Jahren ist die Walnussmeisterei nunmehr bereit, mit dem Handel zu arbeiten.

Die Kunst der richtigen Ansprache

Doch auch für die Walnussmeisterei lief in Sachen Marketing nicht alles reibungslos, sie musste erfahren, dass Preisgestaltung und Vertrieb regional sehr unterschiedlich sind: “In der Stadt muss man anders kommunizieren, auch die Vertriebswege sind dort anders als auf dem Land. Ich war überrascht wie unterschiedlich die Leute in Neuruppin, Berlin oder Lübeck einkaufen gehen. Da müssen wir jeweils unsere Ansprache anpassen.”

Jetzt ist Böllersen gespannt, ob das in Fragen der Finanzierung auch so ist. Denn erstmals stehen Bankengespräche an: Das Unternehmen soll in Richtung Verarbeitungsbetrieb erweitert werden.

“Ich bin sehr gespannt”, sagt Vivian Böllersen. Hier werde die Fähigkeit gefragt sein, Anbau, Vertrieb und Verarbeitung von Walnüssen zu vermitteln. Es sei sicherlich hilfreich, wenn die andere Seite die Praxis naturnaher Erzeugung kenne – oder zumindest bereit sei, die spezifischen Gegebenheiten anzuschauen und verstehen zu wollen.

Wir wichtig dies ist, musste Böllersen erfahren, als es auf Ämtern um Genehmigungen ging. “Ich dachte, ich gehe da hin, erkläre mein Vorhaben, und stoße auf generelle Zustimmung. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass so vieles an einzelnen Persönlichkeiten hängt.“

Was für Böllersen vor einem oder zwei Jahren noch nicht umsetzbar schien, könnte jetzt klappen: Crowdfunding. Auch hier muss die Kommunikation stimmen, damit dies erfolgreich ist. “Wir haben gerade eine gute Präsenz in der Öffentlichkeit, es fühlt sich nach dem richtigen Moment an”, ist Böllersen optimistisch.