Das Wachstum im Bio-Markt hat sich 2019 beschleunigt. Knapp 12 Milliarden Euro gaben die Deutschen für ökologisch erzeugte Lebensmittel und Getränke aus, das sind rund 10 Prozent mehr als 2018. Der Naturkostfachhandel konnte seinen Marktanteil stabilisieren.

Das Branchenwachstum verdoppelte sich im vergangenen Jahr gegenüber 2018 (plus 5,5 Prozent) nahezu. Vom Umsatzsprung auf 11,97 Milliarden Euro profitierten alle Vertriebswege, „ob Naturkostfachhandel oder Discounter, Vollsortimenter oder Direktvermarkter“, erklärte Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bio-Spitzenverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) heute bei der Jahresbilanzpressekonferenz des Sektors auf der Biofach in Nürnberg.

Fachhandel behauptet sich

Trotz der weiter wachsenden Konkurrenz durch Lebensmittelvollsortimenter und Discounter, die ihre Bio-Sortimente stetig ausweiten, konnte der Naturkostfachhandel seinen Anteil am Bio-Markt stabilisieren. 3,18 Milliarden Euro setzte er 2019 um, das sind 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr und entspricht einem Marktanteil von 26,6 Prozent (2018: 26,9 Prozent). 2018 hatten die Umsätze des Fachhandels mit plus 0,8 Prozent nahezu stagniert.

Bemerkenswert ist der stabile Marktanteil des Naturkostfachhandels auch deshalb, weil sich zuletzt immer mehr Lebensmittelhändler Verbandsware sicherten und so ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal des Fachhandels abgeschliffen wurde. Die Strukturveränderung im Fachhandel mit dem Trend zu größeren Flächen und zur Filialisierung setzt sich derweil fort.

60 Prozent aller Bio-Waren verkauft der Lebensmitteleinzelhandel

Im LEH kletterte der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln 2019 auf 7,13 Milliarden Euro. Das Wachstum lag mit plus 11,4 Prozent auch hier deutlich über dem Vorjahr (plus 8,6 Prozent). 59,6 Prozent der gesamten Bio-Umsätze entfielen 2019 auf den LEH. In den sonstigen Geschäften, zu denen Bäckereien, Metzgereien, Obst-/Gemüse-Fachgeschäfte. Wochenmärkte, Direktvermarkter und Tankstellen zählen, kauften Kunden Bio-Produkte für 1,66 Milliarden Euro, rund 5 Prozent mehr als 2018. Dies entspricht einem Marktanteil von 13,8 Prozent.

Stärkster Treiber im Biosegment bleibt das Trockensortiment. Das hat auch mit dem Strukturwandel und dem direkteren Warenbezug des filialisierten Einzelhandels, insbesondere bei Trockenware, zu tun. Vollsortimenter, Discounter und Drogerien haben in den vergangenen Jahren ihr Angebot an Getreide, Müslis oder Brotaufstrichen stetig ausgebaut.

Jedes vierte Kilo Mehl ist bio

Die Warengruppen mit den größten Bio-Umsatzanteilen am gesamten Lebensmittelmarkt waren 2019 Mehl mit 26 Prozent, Eier mit 23 Prozent und Milch mit 14,4 Prozent. Das größte Umsatzplus erzielten Händler mit Bio-Kartoffeln, -Milchrahmerzeugnissen und -Gemüse, die jeweils um mehr als 20 Prozent zulegten. Stabile Erzeugerpreise trotz größerer Produktion sprechen laut BÖLW für die anhaltend gute Nachfrage – vor allem auch nach heimischen Bio-Produkten – und für die häufiger geschlossenen langfristigen Verträge zwischen Landwirten und Verarbeitern.