Kosten richtig berechnen – schwierig, aber möglich

 In der traditionellen Rechnungslegung wird das Natur- und Sozialkapital nicht berücksichtigt. „Richtig Rechnen“ der Freiburger Regionalwert AG ändert das.

Betriebswirtschaftliche Erfolgsrechnungen sind von durchschlagender Wichtigkeit bei der Kapitalbeschaffung, der Preisbildung und der Beurteilung von Betriebserfolg. Daher müssten diese auf Faktoren der Nachhaltigkeit erweitert, Risiken erfasst und bewertet, Leistungen honoriert werden. „Hierzu braucht es Methoden und Instrumente, die praxistauglich sind“, heißt es im Projektbericht, der im November 2019 veröffentlicht wurde.

Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Richtig Rechnen“, in das auch jenen Zahlen und Werte einfließen sollten, „die eine reale Bewertung auf ökologische und soziale, sowie regionalökonomische Leistungsfaktoren ermöglichen“, hatte die Regionalwert AG 2017 in Kooperation mit den Agronauten gestartet. Ziel war, in vier landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region das Betriebsgeschehen so vollständig wie möglich abzubilden und gleichzeitig den Erfassungsaufwand und die Handhabbarkeit für die Betriebsleiter zu optimieren.

Komplexe Angelegenheit

Das Vorhaben war ambitioniert, wie die Agronauten einräumen: „Bei der Bewertung von Nachhaltigkeitsleistungen haben wir es mit einer komplexen Angelegenheit zu tun und die Monetarisierung von ökologischen und sozialen Leistungen in eine Gesamtrechnung ist sehr aufwendig.“

Doch im Abschlussbericht zeigen sich die Autoren zufrieden: In der Identifizierung von Leistungskennzahlen zur Erfassung von Nachhaltigkeitsleistungen landwirtschaftlicher Betriebe, in der Festlegung von Grenzwerten und in der Monetarisierung von Leistungen zu mehr Nachhaltigkeit seien große Fortschritte gemacht worden.

Insofern dürfte das Resultat des Projektes in erster Linie für landwirtschaftliche Betriebe interessant sein, die ein Interesse daran haben, „ihre Leistungen besser und differenzierter darzustellen und langfristig eine Bilanzierung der geschaffenen Werte durch Datenerfassung voranzutreiben“. „Richtig Rechnen“ biete einen Ansatz, „wie nachhaltiges Wirtschaften in der Landwirtschaft differenziert ausgewiesen, bewertet und letztlich vergütet werden kann“. Die Anwendung der „Richtig Rechnen“-Methode könnte einen Beitrag zur Existenzsicherung der bäuerlichen Landwirtschaft leisten, sind die Projekt-Beteiligten optimistisch.

Woher kommt das Geld?

Eine offene Frage bleibe jedoch: Woher kann das Geld kommen, das die Betriebe zur Finanzierung des Aufwands für die Schaffung des Mehrwertes brauchen? Hier zeigen Regionalwert und Agronauten mögliche Varianten auf. Der Ausgangspunkt im Projekt habe in der Identifikation von Indikatoren zur Erfassung von Nachhaltigkeitsleistungen eines landwirtschaftlichen Betriebes gelegen. Der Schritt in die Buchhaltung sei dann durch eine monetäre Bewertung der Nachhaltigkeitsleistungen erfolgt. Die Vergütung der Nachhaltigkeitsleistungen könne über einen Fonds finanziert werden.

Zu weiteren Varianten werden unter anderem Zuschreibungen, Abschreibungen und Risikorückstellungen mit ihrem langfristigen korrektiven Einfluss auf die Unternehmenssteuerung sowie die spezifische Berücksichtigung bei der steuerlichen Taxierung gezählt.

Vorbild True-Cost-Studie

Um dieses Ziel zu erreichen, muss wohl den Verfasserinnen und Verfasser der ähnlich gelagerten britischen „True-Cost“-Studie gefolgt werden. Diese hatten mit Blick auf die „wahren Kosten der Lebensmittelproduktion“ unter anderem empfohlen:

  • Erkennen Sie den Wert von integrierten Ansätzen und der Berechnung der wahren Kosten bei der Suche nach den guten Lösungen, vermeiden Sie, wann immer möglich, Lösungen für einzelne Probleme.
  • Entwickeln Sie Kampagnen, die Wirtschaft und Politik ermutigen, die wahren Kosten der Lebensmittelproduktion sichtbar zu machen.