Für die Generation der Bio-Natives seien Internet und Social Media entscheidende Informationsquellen und Prüfinstanzen – diese Aussage ist acht Jahre alt, hat aber weiter Bestand: Social Media ist in der Biobranche ein wichtiges Instrument der Kundenbindung.

“Im Social-Media-Diskurs werden Informationen über Angebote ausgetauscht und über deren Glaubwürdigkeit entschieden. Pseudo-Bio-Produkte werden dort meist schnell identifiziert und dann gemieden”, beschrieb die Gesellschaft für Innovative Marktforschung (GIM) 2012 die Digital-Affinität jener Generation, die mit Bio-Produkten aufgewachsen war und nunmehr entsprechend kritisch ist.

Dass ein Social-Media-Kanal wie Facebook ein wichtiges Medium zur Kundenbindung ist, bestätigte vor einem Jahr eine repräsentative Umfrage des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN): Demnach nutzten 69 Prozent der Bio-Kunden Facebook. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (rund 41 Prozent) war dies ein bemerkenswert höherer Anteil. In der Altersgruppe der 18-29 jährigen Bio-Käufer waren es laut BNN sogar 79 Prozent.

Facebook bleibt sehr populär

Mag Facebook insgesamt unter den 14- bis 29jährigen an Popularität verlieren, wie zahlreiche Studien belegen, so scheint die Wirkkraft unter potenziellen Bio-Konsumenten ungebrochen: 41 Prozent der Kunden, die als ihre Haupteinkaufsstätte das inhabergeführte Naturkostfachgeschäft angaben, folgten der BNN-Erhebung zufolge Bio-Läden bei Facebook.

Die Abonnentenzahlen von Handelsmarken aus dem Bio-Bereich (Stand 17.2.2020) bestätigen die deutlich höhere Bedeutung, die Facebook hier im Vergleich zu Instagram hat: Die SuperBioMarkt-Kette zählt bei Facebook 6650 Abonnenten, bei Instagram nur 1748, die BioCompany hat 17422 Facebook-Follower, 11500 sind es bei Instagram. Ähnlich die Verteilung bei Demeter (70.938 / 38.800) und Alnatura (341.481 / 161.000) – die bioaffine Community wird überwiegend via Facebook erreicht.

Die Berliner Marketingagentur Sieben&siebzig arbeitet seit 2006 für Unternehmen aus der Biobranche, seit 2009 auch mit Bloggern. In ihrer 2017 entstandenen Studie zum Thema Blogger, Vlogger, Influencer in der Biobranche kommen die Berater zum Schluss, dass Bio-Unternehmen zunehmend die Bedeutung von Influencer Relations erkennen. Für 68 Prozent der 82 Unternehmen, die sich an der Erhebung beteiligt hatten, waren Blogger Relations und Influencer Marketing demnach ein top priorisiertes oder sehr wichtiges Thema. Zwar hätten 71 Prozent keine eigene Abteilung für Blogger Relations und Influencer Marketing, für 2018 hatten aber fast die Hälfte der Unternehmen (49Prozent) ein Budget für kostenpflichtige Online Kooperationen eingeplant.

Bio-Marken arbeiten mit Influencern

Der Markt der Influencer und Blogger sei ziemlich unübersichtlich, heißt es bei Sieben&siebzig, die Schätzungen verschiedener Quellen schwankten zwischen 200.000 und 300.000 aktive Blogger, Vlogger & In- fluencer im deutschsprachigen Raum. Zwei von ihnen sind Nadine und Jörg, nach eigenen Angaben “zwei vegane Foodies und Sriracha-Addicts, Blogger”, die seit 2011 im Internet publizieren. Und dabei unter anderem nicht nur für Kitchen Aid und Bosch Werbung machen, sondern auch für Bio Planète, einer Marke der Ölmühle Moog, die laut Website die “erste reine Bio-Ölmühle Europas” ist.

Ebenfalls im Blogger-Universum bioaffin unterwegs ist Lena Suhr, die als “Content Creator” Inhalte für verschiedene Medien erstellt, beispielsweise Rezeptentwicklung, Food Photography, Food Styling, Texte. Suhr hat bereits für Voelkel Naturkostsäfte und Keimling Naturkost gearbeitet. Annelina Waller hat 118.000 Abonnenten. Kein Vergleich zur Influencer-Welt von Bibis Beautypalace (7,2 Millionen) und Julia Beautx (2,5 Millionen). Aber doch zehnmal mehr Follower als das pflanzliche Bio-Nahrungsmittel Provamel. Vor diesem Hintergrund erklärt sich die entsprechende Kooperation. Social Media ist zu einem wichtigen Bestandteil der Kundenansprache und -bindung geworden, seine Bedeutung wächst – auch in der Bio-Branche.