Bio-Start-ups wollen wachsen, aber nicht nur wirtschaftlich

Paul Garte, Investment Analyst der Beteiligungsgesellschaft BonVenture, über Start-ups aus der Bio-Branche, ihre Perspektiven und Unterschiede zu anderen Branchen.

Die Münchner Beteiligungsgesellschaft BonVenture investiert ausschließlich in soziale und ökologische Start-ups, um diese beim Wachstum finanziell, aber auch mit Know-How und Netzwerk zu unterstützen. Ziel sei, langfristig neben der finanziellen Rendite auch eine soziale Rendite für die Gesellschaft zu erzielen. Bislang wurden drei Fonds aufgelegt, der vierte mit einem geplanten Volumen von 40 Millionen Euro soll 2020 folgen.

Stellen sich bei BonVenture Start-ups aus der Bio-Branche vor, seien diese vielfach geprägt von Menschen, die eine starke Mission haben, deren Motivation oft in hohem Maß ideell begründet sei. Bei der Investorensuche gehe es dann oft um die Frage, „mit wem arbeite ich zusammen”, sagt Investment Analyst Paul Garte. Darüber hinaus werde meist auf eine eher langfristige Perspektive Wert gelegt.

Gibt es Unterschiede in der Finanzierung, wenn ja, worin liegen diese?

Die Modelle sind ähnlich wie bei Start-ups aus anderen Bereichen: Es geht zum Beispiel um Vorfinanzierung in der Produktion, oder die Finanzierung vom Vertriebs- und Markenaufbau. Hier und da gibt es Unterschiede in den Organisationsformen, so kommen beispielsweise genossenschaftliche Modelle in der Biobranche häufiger vor. Diese Geschäftsmodelle sind weniger auf Skalierung und Wachstum ausgerichtet, da steht dann die Gemeinschaft im Vordergrund.

Was gut funktionieren kann ist Crowdfunding. Hier stehen Start-ups immer vor der gleichen Herausforderung: Aufmerksamkeit generieren, Unterstützer gewinnen. Da kann ein Tausch „Media for Equity” interessant sein, also die Möglichkeit, ein Budget für Werbung zu erhalten; das gilt vor allem für Unternehmen mit Endkundenprodukten. Wie andere Start-ups haben auch die aus der Biobranche ganz überwiegend die Ambition zu wachsen. Ihnen geht es dabei oft aber nicht nur um geschäftliches Wachstum, sondern auch darum, ideelle Werte zu verbreiten. Aber auch für sie gilt: Es geht darum, möglichst viele Leute zu erreichen.

Was können Investoren bei Start-ups in dieser Branche erwarten?

Die Bio-Branche ist auch für konventionelle Investoren interessant, die primär finanzielle Aspekte im Blick haben. Das Bio-Segment ist keine graue Maus, es wird stark weiter wachsen.

In welchen Bereichen der Biobranche sehen sie die größten Chancen?

Viel Luft und Potenzial sehe ich im Bereich der Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg: Woher kommen die Produkte, wie werden sie hergestellt, wie transportiert, verarbeitet, verpackt und gelagert? Nimmt man noch Aspekte der Nachhaltigkeit, des Klimaschutzes und soziale Faktoren hinzu, entsteht eine hohe Komplexität, in der sich auch Zielkonflikte ergeben. Bio-Start-ups können hier Licht ins Dunkel bringen und versuchen, diese Komplexität zu reduzieren. Als Pionier und erfolgreiches Beispiel ist hier sicher unser Portfoliounternehmen Followfish zu nennen, welches die Einführung von Tracking-Codes maßgeblich vorangebracht hat.

Welche Tipps haben Sie für Start-ups in dieser Branche?

Start-ups stehen ganz allgemein vor den Herausforderungen des Marketings und der Kommunikation, jene aus der Bio-Branche vielleicht noch ein bisschen mehr. Denn wenn es darum geht, im Mainstream eine größere Zielgruppe zu erreichen, muss der Mehrwert vermittelt werden: Warum soll der Konsument 20 oder 30 Prozent mehr für Bio bezahlen als für konventionelle Nahrungsmittel? Das muss inhaltlich aufgelöst werden. Das ist nicht nur eine Frage des Budgets sondern auch der Kommunikation.

Insofern sollten sich Start-ups aus der Biobranche sehr intensiv damit auseinandersetzen, was sie machen und warum sie es machen, um ein ganzheitliches Verständnis der Wirkung ihres Geschäfts und ihrer Prozesse zu erlangen. Und dann sollten sie die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe kennen und diese verstehen. Auf dieser Grundlage lässt sich der Mehrwert vermitteln.