Das Interesse an regionalen Produkten steigt, auch und gerade im Biosegment. Kurze Transportwege und transparente Wertschöpfungsketten bieten die Chance für eine engere Bindung zwischen Erzeugern und Konsumenten.

Naturkostfachgeschäfte, Biosupermärkte und konventionelle Händler bieten ganzjährig, saison- und wetterunabhängig, eine riesige Bandbreite ökologisch erzeugter Lebensmittel an – auch dank globaler Beschaffung. Besonders bei verarbeiteten Produkten ist die Herkunft oft nur noch schwer nachvollziehbar.

Immer mehr Biokäufer legen deshalb Wert auf regionale Herkunft. Regional erzeugte Nahrungsmittel stehen für ressourcenschonenden Konsum, in Zeiten der Klimabewegung ein gewichtiges Argument. Neben kurzen Transportwegen spricht noch einiges mehr für Regionalität: Sie leistet einen Beitrag zur Artenvielfalt ebenso wie zur lokalen Wertschöpfung; Herkunfts- und Qualitätsgarantien versprechen außerdem ein hohes Maß an Lebensmittelsicherheit.

Hofladen, Gemüse-Abo und Onlineshop

Gerade in Zeiten gefühlten Kontrollverlusts in einer globalisierten Welt erscheint Regionalität als Weg, die Kontrolle der Nahrungsmittelproduktion zurückzugewinnen und als Chance, Verbraucher und Produzenten wieder zusammenzuführen.

Ein Weg dorthin ist die Direktvermarktung, also der Kauf beim Erzeuger in Hofläden oder auf lokalen Wochenmärkten. Viele Anbieter liefern regional Obst- und Gemüsekisten aus, häufig in Form eines Abos. Über einen Onlineshop haben viele Erzeuger ihren Radius erweitert. Und eine klare Definition, in welchem Umkreis ein Produkt als regional gilt, gibt es bislang nicht.

Für Querbeet (www.queerbeet.de), den Lieferservice des Bioland-Betriebs Pappelhof im Rhein-Main-Gebiet, bedeutet regional zum Beispiel alles, was innerhalb von 150 Kilometern rund um den Firmensitz in Reichelsheim in der Wetterau liegt.

Regionale Vermarktungsinitiativen

Regionalvermarktungsinitiativen (RVI) sind Zusammenschlüsse aus Erzeugern und Verarbeitern, um gemeinsam Produkte aus einer Region zu fördern. Über das Internet können sie regionale Produkte zwar auch überregional oder sogar international vermarkten, meist steht aber die Idee „aus der Region, für die Region“ im Fokus.

Deutschlandweit gibt es rund 500 solcher Initiativen, von denen sich ein großer Teil im Bundesverband der Regionalbewegung (www.regionalbewegung.de) zusammengeschlossen hat. Neben reinen Bio-RVIs wie Tagwerk in der Region Erding-Freising-Landshut (www.tagwerk.net) vermarkten die meisten Initiativen sowohl Bio- als auch konventionelle Lebensmittel.

Der Kunde als Mitarbeiter im landwirtschaftlichen Betrieb

Eine enge Beziehung zwischen Erzeuger und Konsument nicht nur beim Absatz, sondern schon bei der Produktion, stellt die gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft her. Dabei beteiligen sich Kunden selbst an der Erzeugung, indem sie, zum Beispiel in Form eines Jahresbeitrags, in den Betrieb investieren. Sie übernehmen so einen Teil des Produktionsrisikos und werden im Gegenzug das ganze Jahr über mit ökologisch erzeugtem Obst, Gemüse, Milch und Eiern, je nach Ausrichtung des Betriebs, versorgt.

Als Teilhaber identifizieren sich die Konsumenten nachhaltig mit dem Erzeugerbetrieb und seinen Produkten. Manche Modelle sehen vor, dass sie phasenweise auch aktiv bei der Ernte mithelfen. In Deutschland ist die gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft noch ein Nischenthema, das meist nur in den Speckgürteln der Großstädte anzutreffen ist – anders als beispielsweise in Frankreich, das in Europa Vorreiter bei den sogenannten solidarökonomischen landwirtschaftlichen Initiativen ist.