ÖsterReis – Vom Trend zur Regionalität profitieren

Reis aus Österreich? Das klingt exotisch, das garantiert Aufmerksamkeit. Was es noch braucht, um erfolgreich zu sein, kann man beim Start-up OesterReis aus dem niederösterreichischem Ort Gerasdorf lernen.

Bereits vor 200 Jahren wurde versucht, Reis an den Rändern des Neusiedlersees zu kultivieren. Im vor den Toren Wiens gelegenen Marchfeld hat man das in den 80er-Jahren probiert, wiederum vergeblich. Darum sind Gregor Neumeyer und seine Familie stolz: Sie sind die ersten, die es geschafft haben, weißen Reis in einem nachhaltigen Anbauverfahren in Österreich zu produzieren und zu verarbeiten. Und das seit 2018 offiziell als bio zertifiziert.

Neumeyer ist eigentlich IT-ler und als solcher für die Entwicklung von Apps in Banken und Versicherungen verantwortlich. Aber sein Vater ist Landwirt, Neumeyer auf dem Land aufgewachsen, es gibt eine klare Affinität.

Schon bevor Neumeyer 2016 den elterlichen Hof übernahm, wurde der Reisanbau begonnen. Mit Investoren hatte das Start-up bislang wenig Kontakt: „ÖsterReis ist de facto ein Betriebszweig eines bestehenden älteren landwirtschaftlichen Unternehmens, insofern ist das Start-up mit Eigenkapital finanziert; die Investitionen, die notwendig waren, wurden aus dem bestehenden Betrieb genommen“, erklärt Neumeyer.

Herausforderung Vermarktung und Vertrieb

Neben landwirtschaftlichen Fragen, wie beispielsweise der, welches das am besten geeignete Saatgut ist, stellten sich für das junge Unternehmen auch Fragen der Vermarktung und des Vertriebs: „Es gibt in Österreich nur wenig Unternehmen, die auf Kommunikationsberatung im agrarischen Umfeld spezialisiert sind“ musste Neumeyer lernen; die Marketingkommunikation war ebenso eine Herausforderung wie die Aufgabe, mit dem Handel Preise zu verhandeln.

Doch offenbar macht ÖsterReis einiges richtig. Er veranstaltet „Feldtage“, wo Menschen auf dem Hof vorbeischauen und sich den Verarbeitungsprozess anschauen können, berichtet Die Zeit. „Die Leute wollen mit der Landwirtschaft in Kontakt kommen“, sagt er der Wochenzeitung. Die Landwirte müssten lernen, sich besser selbst zu vermarkten, ist er überzeugt, aktuell vermarkte der Lebensmittelhandel die Arbeit der Landwirte, „aber das könnten wir viel besser.“

Direktvermarktung ist Trumpf

ÖsterReis unterscheidet sich von „üblichen“ landwirtschaftlichen Betrieben nicht nur, weil 80 Prozent des Ertrags (2016 waren es 1,5 Tonnen) direkt vermarktet werden, der Rest gehe in die Gastronomie und in ein Edel-Lebensmittelgeschäft in Wien. Die Zielgruppe, so schreibt die Zeit, sind kaufkräftige Stadtbewohner, denen es etwas wert ist, Reis aus Österreich zu verkochen. Bei der Vermarktung kommt Neumeyer der Trend zur Regionalisierung zugute: „Die Kunden sind bereit, für hochwertige heimische Produkte mehr zu zahlen“, ÖsterReis koste doppelt so viel wie Premiumreis aus dem Supermarkt.

Zwei weitere Punkte sind ebenso bemerkenswert: Da ist zum einen die Arbeit mit einem Vertragslandwirte-Modell. „Andere Landwirte bekommen von uns Saatgut und Know-how und liefern den Reis im Rohzustand zu einem vereinbarten Preis. Wir übernehmen dann Reinigung, Verarbeitung, Verpackung und Vermarktung“, erläutert Neumeyer dem Portal DerBrutkasten.com.

Und die immer stärkere Ausrichtung auf Weiterverarbeitung: „Wir produzieren ja nicht nur Reis, sondern auch Verarbeitungsprodukte, wie beispielsweise Reiswaffeln.“ Doch auch hier muss ein Start-up wie ÖsterReis immer wieder ungeahnte Hürden bewältigen, unter anderem beim Thema Verpackung: Entwurf und nachhaltige Produktion einer Verpackung für Reiswaffeln habe sich sehr viel schwerer gestaltet als gedacht. „Hier die richtigen Unternehmen zu finden, ist nicht einfach“, musste Neumeyer erfahren, „das ist ein großes Thema.“ Aber auch das wurde mit Hilfe vernetzter Freunde gelöst.